Fußball in Dortmund: Leidenschaft, Geschichte und Stadtkultur
Dortmund ist eine Stadt, die mit Fußball lebt, atmet und denkt. Nirgendwo in Deutschland ist die Verbindung zwischen einem Fußballverein, seiner Mannschaft und der städtischen Identität so eng wie hier im Ruhrgebiet. Wenn Samstag Spieltag ist, gehört die Stadt einem einzigen Thema. Doch die Fußballkultur Dortmunds geht weit über den Profifußball hinaus.
Eine Stadt, ein Sport
Dortmund ist mit rund 600.000 Einwohnern die größte Stadt Westfalens und liegt im Herzen des Ruhrgebiets — einer Region, die nach dem Ende der Schwerindustrie eine wirtschaftliche und kulturelle Transformation durchgemacht hat. In dieser Transformation spielte der Fußball eine besondere Rolle: Als die Stahlwerke schlossen und die Zechen stilllegten, blieb der Sport das verbindende Element der Gemeinschaft.
Das ist kein Zufall. Fußball war seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Volkssport der Arbeiterschaft. In einer Region, in der körperliche Arbeit und Gemeinschaftsgefühl eng miteinander verbunden waren, bot der Fußball einen Ort der Entspannung, des Stolzes und der Identifikation. Diese Tradition lebt bis heute fort.
Die Fußballatmosphäre im Signal Iduna Park
Wer einmal eine Bundesliga-Partie im Signal Iduna Park erlebt hat, vergisst dieses Erlebnis nicht. Die berühmte Südtribüne, eine der größten Stehplatztribünen Europas mit Platz für über 25.000 Menschen, erzeugt eine Geräuschkulisse und visuelle Wirkung, die in ihrer Intensität weltweit ihresgleichen sucht.
Das Schwarz-Gelb des Vereins dominiert das Bild. Tausende von Schals, Fahnen und Trikots bilden eine menschliche Tapete, die mit dem ersten Anpfiff zu vibrieren beginnt. Der Lärm, der aus dieser Kurve dringt, ist messbar: Experten haben Lautstärken von über 90 Dezibel gemessen — vergleichbar mit einem Presslufthammer.
Die vollständige Geschichte dieses außergewöhnlichen Bauwerks, von seiner Errichtung in den 1970er-Jahren über die Weltmeisterschaften bis zur modernen Erweiterung, finden Sie in unserem Artikel über die Geschichte des Westfalenstadions .
Fußballkultur jenseits des Profisports
Was viele nicht wissen: Die Fußballleidenschaft in Dortmund endet nicht bei der Bundesliga. Die Stadt hat eine lebendige Amateurszene, die Tausende von Spielerinnen und Spielern in Vereinen von der untersten Kreisliga bis zur Oberliga umfasst.
Dortmunder Amateurvereine
Die Stadtteile Dortmunds haben ihre eigenen Fußballklubs, die teils auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken:
Westfalia Herne und TuRU Düsseldorf sind in der Region bekannte Namen — aber innerhalb Dortmunds sind es Klubs wie der SpVgg Mengede, SC Westfalia Huckarde und Borussia Mengede, die das Amateur-Fußballleben bestimmen. Diese Vereine bilden das Fundament der Fußballkultur: Hier lernen Kinder das Spiel, hier spielen Erwachsene nach der Arbeit, hier trifft sich die Nachbarschaft.
Die Westfalenliga und die Oberliga Westfalen haben eine treue Fanhämbasis. Stadien mit 2.000-3.000 Plätzen sind samstags gut besucht — ein Beweis dafür, dass Fußball in Dortmund nicht nur auf höchstem Niveau Begeisterung entfacht.
Frauenfußball in Dortmund
Der Frauenfußball hat in den letzten Jahren in Dortmund stark an Bedeutung gewonnen. Der BV Borussia 09 Dortmund — strukturell mit dem großen Bundesligaklub verbunden, aber sportlich eigenständig — hat sein Frauenteam in die Frauen-Bundesliga geführt und damit einen wichtigen Schritt für den gesamten Dortmunder Fußball gemacht.
Auf Amateurebene spielen Dutzende Frauenmannschaften in den städtischen Ligen. Die Partizipation von Mädchen und Frauen im organisierten Fußball ist in der Region in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen — ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist und in Dortmund besonders sichtbar wird.
Die Fankultur: Mehr als Schwarz-Gelb
Die Fankultur rund um den Dortmunder Fußball ist facettenreich. Neben den organisierten Ultra-Gruppen, die für Choreografien, Stimmung und politisches Engagement bekannt sind, gibt es Fanklubs aus der ganzen Welt.
Internationale Fangemeinde
Dortmund ist einer der bekanntesten deutschen Fußballexporte. Von Japan bis Argentinien, von den USA bis Südkorea — der Verein hat Anhänger auf allen Kontinenten. Die Globalisierung des Fußballs hat dazu beigetragen, dass “Borussia” ein Begriff ist, den Fußballfans weltweit kennen.
Besonders stark ist die Verbindung nach England: Viele englische Fans schätzen die offene, leidenschaftliche Atmosphäre in Dortmund als Alternative zu den sterilen, überteuerten Erlebnissen in der Premier League. Fanreisen aus Manchester, Liverpool und London sind keine Seltenheit.
Die politische Dimension der Fankultur
Wie in vielen deutschen Fußballfankulturen spielen auch in Dortmund gesellschaftliche Fragen eine Rolle. Die aktive Fanszene hat sich historisch gegen Rassismus, Diskriminierung und die Kommerzialisierung des Fußballs positioniert. Banner und Choreos zu politischen Themen sind Teil des Ausdrucks einer Fankultur, die ihren Sport nicht losgelöst von der Gesellschaft sieht.
Diese Tradition hat Wurzeln in der Geschichte der Arbeiterstadt Dortmund. In einer Region, die von Streiks, Solidarität und kollektivem Handeln geprägt ist, drückt sich der Fußball als politisches und gemeinschaftliches Medium aus.
Dortmund und die Bundesliga — eine untrennbare Verbindung
Für die Bundesliga als Gesamtwettkampf ist Dortmund ein unverzichtbarer Teilnehmer. Die Anziehungskraft des Signal Iduna Parks bringt regelmäßig Auswärtsfans aus dem ganzen Land — und aus dem Ausland. Wenn der große schwarzgelbe Block auf der Südtribüne schallt, wissen auch neutrale Beobachter: Das ist einzigartig.
Im Kontext der aktuellen Bundesliga-Saison 2025/26 ist Dortmund eines der Teams, das um die Champions-League-Qualifikation kämpft. Die Ergebnisse der Mannschaft und die taktischen Entwicklungen werden in unseren Spieltag-Analysen regelmäßig besprochen. Die Torhelden — wie Serhou Guirassy — sind unter den besten Torjägern der Liga .
Das Ruhrgebiet als Fußballregion
Dortmund ist nicht allein. Das Ruhrgebiet ist eine der dichtesten Fußballregionen der Welt. In einem Umkreis von 50 Kilometern um Dortmund liegen:
- Gelsenkirchen mit dem FC Schalke 04, dem ewigen Rivalen
- Bochum mit dem VfL Bochum, der seine Klasse in der Bundesliga hält
- Duisburg mit dem MSV, der zwischen den Ligen pendelt
- Essen mit Rot-Weiss Essen, einer der traditionsreichsten Klubs der deutschen Fußballgeschichte
Diese Dichte an Vereinen und Fankulturen auf kleinstem Raum ist weltweit einmalig. Das “Revierderby” zwischen Dortmund und Schalke ist eines der emotionalsten Spiele im deutschen Fußballkalender — und das, obwohl die beiden Stadien nur 30 Kilometer voneinander entfernt liegen.
Fußball als wirtschaftlicher Faktor
Der Fußball ist für Dortmund auch ein wirtschaftlicher Motor. Das Signal Iduna Park als einer der größten Fußballtempel Europas zieht jährlich mehr als eine Million Besucher an. Hotels, Restaurants, Transportmittel und der lokale Einzelhandel profitieren erheblich von Spieltagen.
Dazu kommt der Tourismus: Fußballfans aus aller Welt besuchen Dortmund nicht nur wegen der Spiele, sondern um die Stadt und ihre Fußballgeschichte zu erleben. Stadionführungen, Vereinsmuseum und das “BVB Fanwelt” im Stadtgebiet sind beliebte Ziele.
Der wirtschaftliche Einfluss des Profifußballs ist messbar: Studien zeigen, dass ein Bundesliga-Spieltag in Dortmund einen Umsatz von mehreren Millionen Euro in der lokalen Wirtschaft generiert. In einer Stadt, die nach dem Strukturwandel neue wirtschaftliche Standbeine gesucht hat, ist der Fußball ein wichtiges Fundament geworden.
Ausblick: Fußball in Dortmund im Wandel
Die Digitalisierung und die weltweite Expansion des Fußballs verändern die Fußballkultur auch in Dortmund. Streaming-Dienste, Social-Media-Communities und globale Fanbases schaffen neue Formen der Zugehörigkeit, die über das traditionelle Stadionerleben hinausgehen.
Doch der Kern bleibt bestehen: die Leidenschaft für den Sport, die tiefe Verwurzelung in der städtischen Identität und die Überzeugung, dass Fußball mehr ist als 22 Spieler auf einem Rasen. In Dortmund ist das keine Theorie — das ist gelebte Realität, Spieltag für Spieltag, Saison für Saison.